2015

Letzter Chartertörn in Kroatien und die Suche nach dem eigenen Boot

April 2015: (Borawochen in Kroatien)

Für diesen Ostertörn hatten wir eine Oceanis 393 bei NOA Yachting gechartert. Die 393 war uns bei unserer Suche nach einem Boot für unser Sabbatical mehrfach angeboten worden, so wollten wir sie auf diesem Wege mal testen. Mit von der Partie waren wieder Melanie, Anja und Wolfgang, die  mit dem Flugzeug anreisten und sich schon auf der Yacht einrichteten, bis wir ankamen. Wir fuhren mit dem Auto über Istrien, um in Pula und Punat noch ein paar zum Verkauf angebotene Yachten zu besichtigen.

Ausfahrt aus der Marina Kastela

Direkt vor der Marina konnten wir Segel setzten

Als die Mannschaft dann komplett war, konnte es auch schon bald losgehen. Bei ruhigem Wetter verließen wir die Marina Kastela Richtung Rogoznica. Gerade aus der Kastela Bucht draußen, überraschte uns eine kleine aber heftige Gewitterfront. Wir packten die Segel weg und gingen an der Südküste von Chiovo in der Bucht von Okrug Gornji vor Anker, um den Durchzug des Gewitters abzuwarten.

Jakob bringt uns durch den Regen

Nach dem Regen ein schöner Regenbogen über dem Dorf

Nach dem Regen entschieden wir uns für die Nacht in den kleinen Stadthafen von Stomorska auf Solta zu fahren.

Am Stadtkai lag schon eine (Dufour) Regattaflotte

Wir bekamen noch ein Plätzchen am bereits gut belegten Stadtkai und am nächsten Morgen nutzten wir die Gelegenheit und erstanden bei den Fischern fangfrischen Fisch.

Ulrike beim Fischkauf

Von Stomorska ging es weiter nach Rogoznica, mit einem Ankerstopp vor Drvenik Mali. Auch in Rogoznica bekamen wir einen netten Liegeplatz am Stadtkai, sogar mit „Sanitäranlage“ im alten Schulhaus.

Rogoznica in der Nachhmittagssonne

Beim obligatorischen Stadtrundgang am Abend

Das schöne Segelwetter am nächsten Tag nutzten wir, um bis zu einem unsere Lieblingsplätze „hinter die Mauer“ auf Hvar zu segeln. Die kleine Bucht Stiniva ist von einer großen Ex- Militär-Hafenmole geschützt, hinter der man gut liegen kann. Sonst gibt es dort eigentlich nichts, außer Ruhe, alten Weinstöcken und alten Olivenbäumen. Aber die Bucht ist immer wieder einen Stopp wert.

Anja übt am Ruder …

und Ulrike an Wolfgangs Sextant

Die Kerry-Dancer hinter besagter Mauer

Das Osterwochenende wollten wir in Trogir verbringen, von dort hatten Anja und Wolfgang auch ihren Rückflug gebucht. Der Wetterbericht versprach nichts Gutes für Ostern: „schwarze“ Bora! So richteten wir uns für einen längeren Aufenthalt direkt in der ACI Marina Trogir ein…. Dort hat man einen schönen Blick auf die Altstadt, aber auch die höchsten Preise unter der mittlerweile auf 3 Marinas angewachsenen Auswahl in der Bucht. (150,-€ für 39 Fuß und 2 Nächte in der Vorsaison)

Auf dem Weg nach Trogir ist es bereits trüb und regnerisch

Die Altstadt von Trogir

Unser Aufenthalt über Ostern in Trogir war dann auch – wie erwartet – komplett verregnet.

Dunkle Wolken und kalter Wind

Und sogar Schnee auf den Bergspitzen? Oder ist es nur der Kalkstein in der Sonne

Am frühen Montagmorgen verließen Anja und Wolfgnag die Marina mit einem Taxi Richtung Flughafen und Heimat. Wir machten und bei nun sonnigerer Bora auf den Weg und wollten weiter in die Gegend von Primosten. Bei der Ausfahrt aus dem Drvenik Kanal, dort weht die Bora aus nördlichen Richtungen, mussten wir aber kapitulieren. Die Oceanis macht am Wind bei Windstärken ab 5 Bft keine gute Figur: Sie liegt direkt auf der Seite und hat einen Wendewinkel, der kreuzen unmöglich macht. Also verdrückten wir uns in unser uns wohl bekanntes Drvenik Veli.

Am Morgen ist es sonnig aber sehr kalt

Das Dörfchen ist am Morgen noch still und ruhig

Wie sollte es nun weitergehen – die Bora blies immer noch? Also entschlossen wir uns zur Umrundung von Brac. Der Wind wurde jedoch schon nach wenigen Meilen so stark und auch von der Richtung her nicht vorteilhaft für unseren Vorwindkutter, dass wir uns entschlossen umzudrehen und in der Sesula Bucht auf Solta an einer Restaurantboje festzumachen. Die Restaurants in der Bucht waren alle geschlossen, wir wurden jedoch mit freundlichem Nachdruck aufgefordert, zum Abendessen nach Maslinica in ein Restaurant zu kommen. Die Bucht mit ihren Restaurants wird von vielen Seglern gelobt, doch dieses Restaurant kannte wohl noch keiner. Das Essen war weder gut noch günstig.

An der Boje in der Sesula Bucht

Am nächsten Morgen hatte der Wind wieder etwas abgeflaut. Auf dem Weg vorbei an Solta lief es auch noch ganz gut, als wir aber in den Kanal zwischen Brac und Hvar hinein kamen, drehte der Wind immer mehr auf ONO, also direkt gegenan.

Der Wind wird stärker

Wir hatten uns schon damit angefreundet, nach Starigrad auszuweichen, als uns der Wind am Kap nördlich der Einfahrt nach Starigrad eine Möglichkeit bot und wieder etwas zurück auf NNO drehte. So schafften wir es vorbei am Zlatni Rt bis nach Bol, dann war der Wind alle, die Böen leider nicht. Wind mit ca. 7-10 Knoten aber immer wieder Böen bis 35 Knoten! Da ist Segeln nur was für echte Puristen. Also motorten wir die Reststrecke bis Sumartin.

Sumartin vor dem mächtigen Biokovogebirge

Der Hafen und die Yachtliegeplätze in Sumartin waren noch im Winterschlaf und der Hafen voll bepackt mit Fischkuttern. Die Fischer wiesen uns aber ein Plätzchen ganz hinten im Hafen zu. Dann kam tatsächlich noch jemand zum abkassieren, wen wundert’s, er besorgte uns aber auch noch einen Stromanschluss. Die Nacht war sehr unruhig, in der hinteren Hafenecke reflektierte irgend ein Grundschwell, der die Yacht periodisch aufschaukelte.

Blick vom Liegeplatz auf die Kirche

Hier ist der Schnee auf den Bergen deutlich zu erkennen

Am nächsten Morgen lag mal wieder Schnee auf den Küstenbergen und die Bora hatte auch wieder etwas zugelegt. Wir wollten unseren Weg weiter rund  um Brac fortsetzen, mussten aber nach ein paar Meilen erkennen, dass gegen den Bora-Stream aus der Vrulja-Bucht mit diesem Boot nicht anzukommen war – also drehten wir um. Auf dem Weg zurück Richtung Bol erwischte uns ein Böenset auf Höhe der Studena Bucht. Wir segelten mit raumem Wind, aber die Bröen drehten uns sehr zügig in den Wind und die Segel schlugen wie wild. Der Windmesser zeigte 65kn bevor er komplett ausfiel. Wir haben die Segel schnellstmöglich eingepackt. Leider hatte der UV-Schutz des Vorsegels etwas gelitten und am Großsegel waren 2 Mastrutscher gebrochen. Auf dem weiteren Weg bis nach Milna war es nahezu windstill – die Bora ist und bleibt unberechenbar!

Putz- und Flickstunde in Milna

Den UV-Schutz konnten wir wieder annähen, die Mastrutscher waren in Milna aber nicht aufzutreiben, die bekamen wir erst einen Tag später in Split.

Milna in der Abendsonne

Den letzten Tag auf See verbrachten wir im wesentlichen an Land, auf der Suche nach den Mastrutschern. Als wir in einem Marinastore in der Nähe der ACI Marina Split endlich fündig geworden waren, machten wir uns auf den Weg zurück zur Marina Kastela und nähten die neu erstandenen Rutscher unterwegs in das Groß ein.

Die Altstadt von Split – erbaut auf und im Diokletian Palast

Tanken konnten wir  zum ersten mal an der „schwimmenden“ Tankstelle in Kastela, was uns schon etwas ungewöhnlich anmutete. Vorher haben wir vom Beiboot aus noch ein paar Bilder von der 393 unter Segeln (trotz der Flaute) gemacht.

volle Fahrt voraus 🙂

An der schwimmenden Tankstelle

Am Ende haben wir es trotz der Borawochen doch auf stattliche 235 Seemeilen geschafft.

Der Zickzack-Kurs durch die dalmatinische Inselwelt

Mit den gemachten Erfahrungen, sowohl mit der Bora als auch mit der Yacht, strichen wir die Oceanis 393 aus der Liste der potentiellen Boote.

Mai 2015: (erste Begegnung mit „unserer“ Silva)

Im Mai kam es zur entscheidenden Wende bei unsere Yachtsuche. Eirini hatte sich aus Griechenland gemeldet, mit der Info, dass eines der bei ihr in der Charter eingesetzten Boote verkauft werden solle. Eine Jeanneau Sun Odyssey 37, die SILVA. Sven buchte eine Flug nach Korfu, um sich die Yacht in Preveza anzuschauen. In der gleichen Zeit wurde auch eine Oceanis 373 für die Saison fertig gemacht und Sven konnte beide, also die Oceanis 373 und die SO37 bei gleichen Bedingungen Segeln und auch hier zeigte sich direkt, dass die Oceanis auf Amwindkursen viel zu früh krängt. Alles in allem, Platzangebot, Zustand, Ausstattung und Verkaufspreis, war die SO 37 ein gutes Angebot für unser Vorhaben. So entschieden wir uns, sie noch zu einem Probetörn im August zu chartern.

Erste Begegnung mit SILVA im Ship Yard bei Ionian

Nach dem Probesegeln am Liegeplatz

August 2015:

Für den Probetörn mit Silva hatten wir zum Glück einen passenden Flug nach und von Preveza gefunden und konnten uns so den Transfer mit Taxi oder Mietauto und Fähre nach Korfu sparen. Die Schiffsübergabe war mit Eirini schnell erledigt, ebenso hatte sie uns einen Supermarkttransfer organisiert, sodass auch der Proviant schnell beschafft war.Ganz wichtig, es war unser erster Törn im Mittelmeer im Hochsommer, ist der Sonnenschutz, so besorgten wir noch Sonnenhüte für alle, an die langarmigen weißen Shirts hatten wir schon zu Hause gedacht.

Die Crew ist gut behütet

Unsere erste Etappe im für uns neuen Revier führte uns von Preveza durch den Lefkas-Kanal in die Abelaki Bucht auf Meganisi, die Sven schon von seiner Tour mit Peter kannte.

Die Schwimmbrücke im Kanal wird geöffnet

Vor Anker in der Abelaki Bucht

Auf der nächsten Teiletappe zerriss uns in der Düse an der Südseite von Meganisi bei dem Inselchen Kythros das Vorsegel. In der zweiten Segeltuchbahn klaffte ein Riss genau an der Naht des UV-Schutzes. Wir fragten bei Eirini nach, ob wir das Segel zum Segelmacher in Nidri bringen sollten, was sie verneinte. Sie wollte es in Nidri abholen und zum ihrem bevorzugten Segelmacher (Takis) nach Lefkas bringen. Die Segel waren von 2012 und mussten in der Charter sehr gelitten haben. Nach diesem ungeplanten Zwischenstopp in Nidri verlegten wir uns am Abend in die große Bucht von Vlychon zum Ankern.

Auch die Bord-Küche wurde ausgiebig getestet

Weiter ging es nach Ithaka, dort ankerten wir für die Nacht in der viel besuchten Badebucht Schoinos. Am Morgen machten wir dann noch einen Abstecher in die tiefe Bucht des Hauptortes von Ithaka, nach Vathy.

Am Anker vor Vathy

Die Gewittertürme über der Küste, Zeichen für guten Landwind

Unser nächstes Ziel war Sivota, dort angekommen stellten wir erfreut fest, dass die „geheime“ Anlegestelle, die Sven von der Tour mit Peter kannte, am Schwimmsteg sehr nah unter Land noch frei war.

ganz links bei den Bäumen der Liegeplatz am Schwimmsteg

Da wir mit Eirini noch ein paar Details zum potentiellen Kauf der Yacht besprechen wollten, machten wir uns von hier aus auf den „Nachhauseweg“ nach Preveza.

Am letzten Tag unserer Probetour machten wir noch eine kleine Erkundungsfahrt durch den ambrakischen Golf bis nach Vonitsa. Dort suchten wir im vollen Hafen erst gar nicht nach einem Liegeplatz, sondern ankerten vor einer Badebucht zum Schwimmstopp.

Auf dem Weg nach Vonitsa

Der Hafen und die Festung von Vonitsa

Auf dem Rückweg nach Preveza kam uns Peter mit seiner My Way ein Stück entgegen und begleitet uns zurück nach Preveza, auf diesem Weg riss sein Vorsegel, die obere Halteöse für das Fall war herausgerissen, sodass das Vorsegel ohne das Fall herunterkam. Das Fall holte Jakob später mit dem Bootsmannstuhl herunter.

Da war das Segel noch oben…

Zurück am Liegeplatz in Preveza

Als Fazit kann man sagen: Ein neues Revier (Meilenübersicht) mit neuen Wetterbedingungen …..und ganz wichtig:  Eine neue (gebrauchte) Yacht, denn wir hatten uns zum Kauf entschieden, wohl wissend, dass hier noch viel Arbeit auf uns warten würde.

Unsere Route (ca. 135sm)

 

September 2015:

Nachdem der Vorvertrag für den Kauf der Silva gemacht war, reiste Sven nochmal mit viel Werkzeug und einem moderneren Autopiloten im Über-Gepäck nach Preveza, um zum einen den Autopiloten zu installieren und zum anderen schon die erste Bestandsaufnahme der anstehenden Arbeiten zu machen.

Ziemlich marode, das Heizelement im Bolier

Totalschaden – das Motorpanel

Die Liste mit den ToDo’s wurde schnell länger und länger. Mit dieser Liste lies sich aber deutlich besser abschätzen, welche Summe zusätzlich zum Kaufpreis mindestens noch zu investieren sein würde.

Kaum zu erkennen, die neue Radsteuerung des Autopiloten

Oktober 2015:

In den Herbstferien reisten wir dann nochmal komplett an, um eine Woche zu Segeln und dann den Kauf abzuwickeln, unsere neue Charterfirma in Griechenland anzumelden und das dazugehörige Büro zu „beziehen“. Für die Idee, Silva bis zu unserem Sabbatical in der Charter zu lassen, hatten wir uns, nach diversen Gesprächen mit Eirini und einem griechischen Steuerberater über die Fürs und Widers, entschieden. In der Segelwoche reisten wir die meiste Zeit zusammen mit Peter, der auch Freunde auf seiner My Way zu Gast hatte.

Auf der Fähre von Corfu zum Festland

Die Segeltour führte uns wieder nach Süden in die Ionischen Inseln. Die erste Etappe endete nach der Passage durch den Lefkas Kanal in der großen Bucht von Vlichon (Ormos Vlichon) nahe Nidri auf der Insel Lefkas.

Peters „Touristendampfer“ bei der Ausfahrt aus Preveza

Warten auf die Brückenöffnung

Am nächsten Tag besuchten wir am Morgen zuerst Nidri und segelten danach ein wenig um die Inselchen vor Nidri, bis wir schließlich in Vathy Meganisi anlegten. Dort wollten wir den aufziehenden Südsturm abwettern.

In Vathy – Meganisi

Von Vathy ging es weiter nach Sivota. Auf der weiteren Route machten wir einen kurzen Abstecher nach Kioni auf Ithaka, dort stand aber zu viel Schwell im Hafen, sodass wir zurück Vathy segelten und dort erneut anlegten.

Mal nachdenklich …

Mal fröhlich – so ist das beim Segeln und speziell beim Bootskauf

Auf dem Rückweg nach Preveza legten wir noch einen Zwischenstopp in Lefkas Stadt ein.

Am Stadtkai in Lefkas

Die restliche Zeit in Preveza war von der Kaufabwicklung und dem Winterfest-Machen von Silva geprägt.

Unser Büro – noch mit der Werbung des Vormieters (Elias Stamatis)

Die Silva in der Kranbahn bei Ionian

Auch hier der Vollständigkeit halber die Meilenübersicht und die Wetterübersicht unseres 85 nm kurzen Törns.

Unsere Route